Archiv der Kategorie: Erdarbeiten

Fachmänners vor Ort

Vorhin haben sich Bodengutachter Herr Boden und Tiefbauer Herr Wiese nochmal auf unserem Grundstück eingefunden und wir haben Problem und technische Lösung diskutiert. Laut Gutachten wurde der falsche Sand verwendet; das müsste SE-Sand sein von der Frostschutzklasse F1 – ist es aber nicht. Herr Wiese wundert sich, wie das passieren konnte. Denn ihr Werk, von dem sie den Sand holen, sollte eigentlich den richtigen Sand geliefert haben. Ob nun die falsche Kiesbank angegraben wurde oder andere Probleme vorliegen, will dann Firma Glindemann nochmal prüfen. Dies aber eben eher, um die Ursache des Problems zu finden und nicht, um die Gutachter im Rechtsstreit gegeneinander antreten zu lassen. Firma Glindemann möchte, dass wir mit der Lösung zufrieden sind. Das hört sich doch sehr fair an. Herr Wiese will eine Ring-Drainage ums Haus legen und den Sand in der Einfahrt austauschen lassen. Das alles kann aber wohl erst passieren, wenn es mal ein, zwei Wochen nicht geregnet hat. Insofern müssen wir wohl noch einige Zeit durch den Matsch waten. Aber letztendlich wird alles gut!

Alptraum – die Fortsetzung

Erstmal eine gute Nachricht: Wir leben! Und unser Haus steht noch! :-)

Dank der lieben, tröstenden Worte von netten Blog-Leserinnen und Lesern war ich heute gar nicht mehr sooo niedergeschlagen. Obwohl es guten Grund dafür gibt…

Boden, unser netter Geologe, kam heute persönlich vorbei. Seine Neuigkeit: Er hat mit Dammann und dem Statiker gesprochen: So wie unser Carport gebaut ist, werden die Fundamente es auch auf Schlamm weiterhin tragen. (Die Möwe, die vorhin Anstallten machte sich auf unsere Regenrinne zu setzen, habe ich dennoch wie eine Furie – einen Spaten schwingend – verjagt. Womöglich hatte die gut gefrühstückt und dann: kracks. Wer weiß…) Und dann (klar, wie soll es anders sein) die schlechte Nachricht: Die Kiesprobe, die er unter dem Carport entnommen hat, hat ihm ein Ergebnis geliefert, nachdem der gesamte Boden der Einfahrt und des Carports ausgetauscht werden muss, da dieser verwendete Kies nicht zum befahren und bepflastern geeignet ist. Zu schluffhaltig. Er gibt immer nach, saugt viel Wasser, gibt dieses nur sehr schwer wieder ab und ist nicht Frostbeständig. Na super.  Das würde heißen: 90 cm tief auskoffern, wenn es trocken ist. Dieser Tiefbauer soll mir mal im Dunkeln begegnen… Was ist mit den Fundamenten? Da müsste bei einem nach dem anderen vorsichtig  ausgekoffert, neuer Kies eingebracht und verdichtet werden. Oha…Wie solls denn laufen? „Entschuldigung, könnten sie mal bitte kurz mein Carport-Stützbalken samt Betonfundament hochhalten? Ich will da nur mal fix ein bißchen Sand drunter stopfen und mit nem Rüttler drum herum fahren…“ Ich sehe da schwarz.

Naja, was solls. Heulen und Jammern hilft jetzt aber auch nicht weiter. Ich heizte also heute morgen erstmal in den Baumarkt und holte ne 90 Liter Maurer-Bütt. Mit ner Bohrmaschine wurde eine Art riesiges Sieb daraus gezaubert und in unserem Teich unter dem Carport versenkt. Die Pumpe, die mein Schwiegerpapa gestern noch gebracht hatte, sah zwar nicht sehr vertrauenserweckend aus, aber der Schlauch, der dabei war, reichte immerhin bis zum Gulli in der Straße. Knöpfchen gedrückt. Schlürf! Was ich gestern mit viel Mucki-Einsatz und Schubkarre gerissen habe, machte dieses kleine Pümpchen in Sekunden. Prima. Frau Köster und Team legten währeddessen Platten in unserem Carport-Schuppen. Die Tür hatte Thommy heute Morgen noch ausgehängt, die war nach unten 5 cm zu lang. Wir wollten aber weder einen 5 Zentimeter Spalt unter den Carport-Wänden, noch eine Stufe ins Carport rein (Die Tür geht nach innen auf). Manfred Dammann meinte nun, es sei kein Problem sie zu kürzen, wenn die Dammänner das nächste Mal da sind.

Während ich mich noch mit der Pumpe beschäftigte, zogen am Himmel die schwarzen Wolken auf. Der Himmel öffnete seine Schleusen.  Hilfe! Wir saufen ab! Kann uns mal schnell einer  20 Pumpen leihen? Ich verkrümelte mich nach drinnen. Inzwischen kann ich draußen Wasser glitzern sehen, egal aus welchem Fenster ich sehe. Das ist hübsch und beängstigend zugleich. Und es regnet immer noch…

Gerade ein wichtiges Telefonat mit Schwiegerpapa geführt. Morgen um acht kommt der Tiefbauer (um seinen Murks zu bestaunen) Ich muss also schnell nochmal raus und ein paar Zweige und Blätter über eins der Wasser-Schlamm-Löcher legen. Ratet mal, wer da reinplumpsen soll… ;-)

Allein, allein… allein, allein…

Heute habe ich das erste mal geweint. So richtig. Mit Schluchzen und allem was dazu gehört. Dabei hatte der Tag eigentlich mal ganz gut und viel versprechend angefangen:

Um 7.30 stand Frau Köster mit ihrem Team vor der Tür und legte los mit Seile spannen, und Auskoffern unserer Auffahrt, damit Recycling eingebracht werden konnte. Doch schon nach kurzer Zeit stoppten die Geräusche vor der Tür. „Frau Schneider, das sollten sie sich mal ansehen…“ Frau Köster wollte mit dem kleinen Bagger den ersten Sand rausholen, das Loch (ziemlich dicht an der Hauswand) füllte sich randvoll mit Wasser. Ähhh… uh. Das ist glaube ich nicht so gut… Der Boden war eh schon ziemlich wabbelig gewesen, aber jetzt schien unser Haus nur noch auf Wackelpudding zu stehen. Der Sand brach ständig an den Seiten weg und platschte in das Wasserloch. Nur um abschätzen zu können mit was wir es da zu tun haben, stach ich dann mit einem Spaten an der Hauswand neben dem Loch in den Boden. Damit hatte ich die Büchse der Pandorra geöffnet. Es gab einen riesigen Schwall. Wassermassen und Schlamm spülten unter unserem Haus raus. Die Erde um die Carportstützen brach platschend weg. Ach Du Scheiße…! Bin sonst kein Freund von rauhen Worten, aber in diesem Falle…  Ich ans Telefon. Dammann anrufen. Der blieb erstaunlich ruhig. Sei wohl auf einen Fehler des Tiefbauers zurück zu führen. Na toll. Frau Köster hatte auch schon gesagt, dass dieser Boden nie und nimmer ordentlich verdichtet wurde. In diesem Fall hätte er gar nicht erst so viel Wasser ziehen können. Ich bin Laie, aber, prüft man sowas nicht irgendwie bevor man ein Haus drauf baut?!?

Während ich noch am Telefon sprach (Bennet lautstark nach Milch brüllend unter den Arm geklemmt) demonstrierte Frau Köster ihren Mitarbeitern wie sie ohne Anstrengung einen Spaten unter unser Carport Fundament schieben konnte. Insgesamt konnten wir einen Zollstock 90 cm tief einfach in den Boden stecken. Dann erst kommt wohl eine tragende Schicht. (Haltet bitte Kinder unter einem Meter von unserem Grundstück fern, die könnten nämlich plötzlich weg sein…) Tja, da Dammann wohl scheinbar jetzt nichts machen konnte, rief ich meinen Schwiegervater an. Der sollte Wiese fragen, was für einen Pfusch er hier gemacht hätte. Irgendwie war aber gerade bei Glindemann keiner da. Ich glaube, ich habe mich selten so allein gefühlt. Allein, allein gelassen.

Keine Ahnung, was jetzt passieren konnte, der gesamte Boden weg rutschen? Das Haus durchbrechen? Das Carport einstürzen? Bennet brüllte, das Wasser lief, die Erde brach an einigen Stellen ein, die Gartenbauer brachten Bagger und Radlader in Sicherheit und ich versuchte verzweifelt, irgend jemand zu erreichen. Das war der Moment, in dem ich plötzlich alle verstehen konnten die sagen: Ich baue nie wieder! Wer weiß, vielleicht lache ich auch in ein paar Jahren drüber, aber jetzt war es alles anderes als lustig. Wenigstens meine Schwiegermama erreichte ich schließlich. Prima, die Kids konnten also schonmal abgegeben werden. Auch Thommy konnte sich kurz bei der Arbeit davon machen. Thommy arrangierte für heute Nachmittag einen Termin mit Herrn Boden (Bodengutachter, der aufmerksame Leser kennt ihn bereits aus frühen Bautagen und weiß: Nicht verzagen, Boden fragen! Er ist einer von den Guten…) Mein Schwiegerpapa kam schließlich auch noch vorbei und begutachtete das Schlammassel. Man beschloss, morgen an verschiedenen Stellen Eimer mit kleinen Löchern einzugraben und zu versuchen, das Wasser, das sich darin sammelt, in die Regenrinne zu pumpen. Na toll. Und alle, die’s verzapft haben, sagen ätschebätsch – seht mal zu, wie ihr das hin bekommt… Aus lauter Verzweiflung ließ ich den netten Herrn von den Versorgungswerken das Wasser abdrehen und prüfen, ob vielleicht unsere Wasserzuleitung undicht ist. Nö. Is nicht. Schade, dann hätten wir wenigstens gewusst, wo das ganze Wasser her kommt. Trotzdem Danke!

Ich schnappte mir ’nen Eimer und fing an, das Wasser in ’ne Schubkarre zu schippen. Zur Straße. Platsch. Auskippen, nächste Fuhre… Frau Köster und ihr Team hatten angefangen, stellenweise den Boden auszutauschen, aber es blieb puddingartig. An Pflastern oder Podest vor der Eingangstür ist die nächsten Monate (Jahre?!) nicht zu denken. Na prima. Und die gute Nachricht? Tja, die gibt es nicht. Aber immerhin kam Herr Boden und versprach mir, unser Haus würde, dank der Pfähle, sicher stehen. Die Bodenplatte sollte eigentlich so sein, dass sie auch komplett frei schwebend halten würde. Ich hoffe, die Bodenplatte weiß das auch… Nur das Carport… hmmm. Das sähe alles gar nicht so gut aus. Keine Frage, sagt Herr Boden, hier wurde gar nicht, oder zumindest komplett unzureichend der Boden verdichtet. Er machte ein paar ganz eindeutige Tests und entnahm auch ein paar Proben. Morgen früh will er mit dem Statiker sprechen. Auf der Südseite stellte er auch fest, dass der Boden nicht verdichtet ist. Morgen müssen wir Herrn Kromrei von der Ostsee-Tischlerei erstmal absagen und den Terrassenbau auf unbestimmte Zeit verschieben.

Und nun muss das Wasser raus. Keine Ahnung wer das alles bezahlen soll. Kennt jemand einen guten Anwalt in Sachen Baurecht?

Als um 17.00 Uhr alle weg waren und ich nicht mehr weiter Wasser schippen konnte – ich konnte nämlich nichts mehr sehen und wäre zweimal selbst fast im Schlammloch verschwunden – setzte ich mich auf die Türschwelle und heulte. Heulte und heulte. Bis ich nicht mehr konnte. Mein Wasser war wohl alle oder so. Aber nur zwei Meter neben mir konnte ich auch in der Dunkelheit das Wasser unter unserem Haus rausblubbern hören. Das ist also noch längst nicht alle…

Ihr seid wahrscheinlich alle genau so gespannt wie wir, ob unser Haus/Carport morgen noch steht… Wir werden Euch auf dem Laufenden halten. Freuen uns aber sehr über gute Ratschläge und Mitleidsbekundungen unsrer treuen Baublog-Leserinnen und -Lesern. Werde jetzt mal sicherheitshalber einen Koffer packen gehen…